Nachhaltiger Lifestyle in der Stadt – #1 Was hat Bonn zu bieten?

Im Oktober bin ich für mein Studium nach Bonn gezogen. Im Vergleich zu Frankfurt, wo ich vorher studiert habe, ist Bonn zunächst einmal deutlich kleiner und gemütlicher. Als ich auf der Suche nach Initiativen war, um mich hier wieder engagieren zu können, stieß ich erstmal auf eine geringere Auswahl. Das war mir in Frankfurt einfacher gefallen. Ich habe daher begonnen etwas gründlicher zu recherchieren und habe am Ende eine wirklich erstaunliche Menge an nachhaltigen Initiativen, Veranstaltungen und Orten gefunden.

Warum war mir es wichtig nachhaltige Themen in Bonn zu finden?

Gerade wenn man neu in einer Stadt angekommen ist, kennt man meistens kaum jemanden. Neben KommilitonInnen oder ArbeitskollegInnen, welche man schnell kennenlernen wird, ist es schön auch Kontakte außerhalb des Studiums und der Arbeit zu finden. Ich habe zudem festgestellt, wie bereichernd es für mich war, mich ehrenamtlich zu engagieren und der Gesellschaft etwas zurück zu geben.  

Was habe ich in Bonn dabei entdeckt?

Je länger ich recherchiert habe, desto mehr habe ich gefunden. Ich hätte nie gedacht am Ende so eine Bandbreite an nachhaltigen Orten in Bonn zu finden. Mittlerweile habe ich an einigen Veranstaltungen teilgenommen und schon einiges ausprobiert. Das waren sehr spannende Erfahrungen und vor allem trifft man auf Menschen mit einer ähnlichen nachhaltigen Lebensweise und fühlt sich direkt verbunden. Ich hoffe, ich kann Euch mit diesem Artikel etwas inspirieren und Ihr entdeckt dadurch neue Facetten in eurer Stadt.  

Nachhaltige Orte in Bonn

1. Newsletter

  • Bonn Sustainability Portal: Das Portal sammelt alle Informationen von seinen Partnern (GIZ, Uni, WorldCC Bonn, und weitere) rund um Nachhaltigkeit in Bonn. Im Newsletter werden u.a. die nächsten Veranstaltungen vorgestellt, sowie aktuelle Themen zu Nachhaltigkeit aus der Politik. Das war mein erster Anlaufpunkt hier in Bonn und ich habe schon an einigen Veranstaltungen teilgenommen. Vorher konnte ich mir beispielsweise noch nichts unter einem Schnippel-Talk vorstellen. Nun weiß ich was das ist: Ich habe dort neues zu globalen Ernährungsproblemen gelernt, gemeinsam gekocht und gerettete Lebensmittel verwertet, welche sonst in die Tonne gekommen wären. Sowas und viele weitere Veranstaltungen werden im Newsletter vorgestellt.
  • Bonn im Wandel: Bonn im Wandel ist ebenfalls eine Webseite, welche Informationen zu verschiedenen Themen sammelt und einen ausführlichen Newsletter versendet. Es werden dort u.a. Themen und lokalen Initiativen zur Essbaren Stadt Bonn, REconomy, Ressourcenschonung, Klimaschutz und vieles mehr behandelt. Es lohnt sich den Newsletter zu abonnieren und direkt über alle Neuigkeiten informiert zu sein. Vor allem ist es toll um die lokalen Initiativen besser kennen zu lernen. Vielleicht findet ihr dort ein Projekt, welches eure Ziele verfolgt, und wo ihr euch gerne engagieren wollt.  

2. Orte des Zusammenkommens

  • Bonn Green Drinks: Einmal im Monat trifft sich die Gruppe Green Drinks zum Austausch und Beisammensein. Dabei ist jeder willkommen, der sich für die Umwelt und/ oder Green Economy interessiert. Zu jedem Treffen werden 1-2 besondere Gäste eingeladen, welche in der Branche tätig sind und an dem Abend etwas dazu erzählen.
  • Alte VHS: Die alte VHS in Bonn ist ein ganz besonderer Kulturraum und Veranstaltungsort geworden. Im Vordergrund steht das gemeinsame Beisammensein, das Mitmachen und aktiv werden. Und so sieht auch das Veranstaltungsprogramm aus. Es lohnt sich einmal reinzuschauen oder spontan vorbei zu gehen. 

3. Alles rund um nachhaltige Ernährung & Lebensmittel

  • Foodsharing: Foodsharing ist eine mittlerweile weltweite Initiative, welche sich gegen die Verschwendung von Lebensmittel einsetzen. Als Foodsaver kann man aktiv dabei helfen und gerettete Lebensmittel von z.B. Supermärkten abholen und verteilen. Zudem gibt es in Bonn aktuell 9 Fairteiler. Dies sind offene Kisten in denen gerettetes Essen abgelegt werden kann. Jeder kann dort nicht verwendete Lebensmittel hinzufügen oder entnehmen. Erst in dieser Woche habe ich ein ganzes Abendessen nur aus den geretteten Lebensmitteln zubereitet. Man spart Geld und tut dabei noch etwas Gutes 🙂
  • Regionale Wochenmärkte: Im Stadtgebiet Bonn gibt es ganze 12 Wochenmärkte. Zwei davon sind sogar vollkommen ökologisch und verkaufen nur Bio-Produkte. Der Bauernmarkt in der Altstadt verkauft nur regionale Produkte.
  • Unverpackt-Läden: Der Laden Freikost Deinet verkauft fast ausschließlich unverpackte Lebensmittel. Die beiden Bioläden Himmel und Erde und der Momo Bioladen bieten einige Lebensmittel unverpackt an. Bei Momo gibt es auch Kisten mit reduziertem Obst und Gemüse, wenn es bereits ein paar kleine Macken hat. So wird auch dort gegen die Lebensmittelverschwendung angekämpft.
  • Solidarische Landwirtschaft: Bei meinen Recherchen bin ich auf zwei solidarische Landwirtschaften gestoßen. Wer das Konzept nicht kennt: Gemeinschaftlich baut man regional und ökologisch die Lebensmittel an. Dabei zahlt jeder einen Monatsbeitrag und hilft ab und zu auf dem Feld mit. Dafür bekommt man jede Woche eigenes Obst und Gemüse und ist für das ganze Jahr damit versorgt. In Bonn gibt es das Hanfer Hofgemüse und die solidarische Landwirtschaft in Bonn.
  • Urban Gardening: Unter dem Link findet Ihr eine Auswahl an Urban Gardening Projekten. Ein weiteres Projekt davon, welches nicht dort aufgezählt ist, ist von StadtFrüchtchen. Urban Gardening steht meistens für einen öffentlichen Garten, welcher gemeinschaftlich gepflegt, angepflanzt und geerntet wird.

4. Alles rund um Second-hand, Teilen & Reparieren

  • Fair Fashion: Die Webseite sauber-kleidung.de hat Bonn bereits genauer unter die Lupe genommen und den Bonner Einkaufsführer für faire Mode erstellt. Bei einer Befragung aus dem Jahr 2013 kam heraus, dass 61 Läden in Bonn öko-faire Bekleidung anbieten. 17 davon werden im Einkaufsführer genauer beleuchtet. Zu allen 61 Läden gibt es die Kurzinfo, wie viel Prozent der Kleidung öko und/oder fair ist. Es werden zudem 12 Second-Hand Läden aufgeführt.  Der Bonner Einkaufsführer für faire Mode ist kostenlos auf der Webseite verfügbar.
  • Repair-Café: Unsere Wegwerf-Gesellschaft steht zu Recht zunehmend unter Kritik und so werden die Repair-Cafés immer beliebter. In Bonn hat fast wöchentlich eines der sieben Repair-Cafés geöffnet. Unter dem Motto Hilfe zur Selbsthilfe kann jeder kaputte oder nicht-funktionstüchtige Geräte mit Hilfe von Hobby-Bastlern reparieren. Auf der verlinkten Webseite findet ihr alle Termine und Repair-Cafés aufgelistet.
  • Rheinauen-Flohmärkte: Von März bis Oktober findet einmal im Monat der Rheinauen-Flohmarkt statt. Er gilt als einer der größten und beliebtesten Flohmärkte in Deutschland. Dort bieten über 1.000 Aussteller auf 4 km Länge ihre Waren zum Verkauf an.

5. Mobilität

  • Nextbike: Bonn hat sich zum Ziel gesetzt spätestens 2020 die Fahrradhauptstadt Nordrhein-Westfalens zu sein. Schon jetzt sind gerade unter den StudentInnen alle mit einem Fahrrad unterwegs. Seit Oktober gibt es den Fahrrad-Verleih Nextbike in der Stadt.  500 der geplanten 900 Nextbikes sind bereits im Stadtgebiet einsetzbar und werden von über 14.000 Menschen genutzt. StudentInnen und Besitzer eines VRS-Tickets oder ÖPNV-Abos fahren pro Tag eine halbe Stunde kostenlos. Damit kommt man in Bonn schon ganz schön weit. Zudem tut man etwas Gutes für die Umwelt. Gerade abends oder nachts, wenn der Nahverkehr nicht mehr regelmäßig fährt, ist es eine super Alternative. Es hat mir schon einige Male die lästige Wartezeit erspart und ich bin spontan nach Hause geradelt.
  • Klimaticket Bonn: Seit dem 01. Januar können 17.000 Klimatickets in Bonn erworben werden. Diese, auch 365 € – Tickets genannt, sind deutlich günstiger als andere ÖPNV-Angebote und ermöglichen die Nutzung im gesamten Stadtgebiet. So kann das vielleicht ein Anreiz sein um vom Auto auf die Bahn umzusteigen.

Wem dies noch nicht genug war, der kann sich noch diese zwei Karten ansehen, welche ich am Ende meiner Recherche entdeckt habe: Einmal die Bonner Karte der Nachhaltigkeit – ein Projekt vom Bonn Sustainability Portal, sowie Karten nachhaltiger Orte, welche in Zusammenarbeit von kartevonmorgen, dem Bonn Sustainability Portal sowie Bonn blüht und summt entstanden ist. Diese Karten zeigen noch weitere spannende Orte und Initiativen und geben einen schönen Überblick über die Lage der Orte.

3 comments / Add your comment below

  1. Schöne Übersicht, danke. Ich ergänze einfach mal ein paar Sachen, die mir spontan einfallen

    Mobilität:
    – Für die Teilnehmer*innen der Klimakonferenz COP23 geschrieben (i.e. vor Start von Nextbike bonn), aber auch für Bonner*innen von Interesse: „Discover Bonn – by sustainable mobility“
    https://www.german-sustainable-mobility.de/discover-bonn
    – Lastenräder
    Wer sich nicht nur über Dieselgate usw. ärgern, sondern aktiv was für „Autofahrten ersetzen“ tun will kann bei http://www.bolle-bonn.de Lastenräder ausleihen, von Probefahrt bis kleinem Umzug, haben die Räder alles schon mitgemacht. Zweimal im Jahr geht´s zudem auf http://www.schokofahrt.de, per Lastenrad wird emissionsfreie Schokolade aus Amsterdsam abgeholt, der Kakao dazu kommt per Segelschiff. Nächte Fahrt plant Team Bonn 17.-23.4. Fragen und schokofahrt at bolle-bonn.de
    Auch sonst kann man bei Bolle aktiv mitmachen, als Pate*in für Auslehstationen, Räder, Kommunikation, als Fahrer*in beim klimaneutralen Weihnachtsbaum-Transport mit NALA e.V. uvm
    Für Vernetzung mit anderen Lastenrad-Fans ist man in der Gruppe https://www.facebook.com/groups/2108819512471086/ richtig
    Eher um die soziale Dimension von Mobilität kümmert sich „Radeln ohne Alter Bonn“. „Cycling without age“ ist eine internationale Initiative, bei der ehrenamtliche Pilot*innen älteren, nicht mehr so mobilen Mitmenschen das „Recht auf Wind im Haar“ verschaffen – indem sie Rikscha-Ausflüge mit Ihnen machen. Bonn ist eine der aktivsten Gruppen weltweit. Rikschas gibt es viele, was immer fehlt sind Leute, die fahren, und sich auch darüber hinaus engagieren. Es gibt einen monatlichen Stammtisch zum reinschnuppern und kennenlernen
    https://radelnohnealter.de/bonn/

    Und natürlich gibt es immer am letzten Freitag im Monat die Critical Mass Bonn, die gemeinsame „Massenfahrt“ mit 2018 z.t. über 700 Teilnehmer*innen, das nächste mal am 22.2. In der Gruppe werden auch viele Infos zu Radfahren in Bonn geteilt
    https://www.facebook.com/groups/criticalmassbonn/

    Ernährung:
    Bei http://www.marktschwärmer.de kann man regional angebaute, saisonale Lebensmittel direkt bei Erzeuger*inbestellen und einmal wöchentlich abholen. Es gibt inzwischen drei solcher „Martktschwärmereien“ in Bonn, z.B. in der Altstadt https://marktschwaermer.de/de/assemblies/9473
    In der Altstadt gibt es immer donnerstags auch den „StadtLandMarkt“ – dieser Markt ist besonders, denn er wurde von einem Verein, d.h von engagierten Bonner*innen selbst, initiert und getragen. D.h. auch dort kann man sich direkt engagieren. https://www.facebook.com/stadtlandmarkt/
    Wer sich darüber hinaus noch zu Ernährung in Bonn engagieren will kann zdies z.B. auch beim Ernährungsrat Bonn tun:
    https://www.facebook.com/ernaehrungsrat.bonn/

    Second Hand, Teilen usw.
    Wer sich dazu vernetzen will kann dies z.B. auch in der Zero Waste Gruppe Bonn tun
    https://www.facebook.com/groups/193406084698185/
    Außerdem gibt es einen monatlichen Minimalismus-Stammtisch, das nächste Mal am 16.2.
    https://www.facebook.com/events/2100273453352590/
    Beliebt zum teilen sind auch Bücher – man wirft sie unger weg, liest sie id.Regel aber auch nicht mehrmals. Inzwischen in sehr vielen Städten vertreten, aber in Bonn „erfunden“ (zumindest das sehr verbreitete Modell) sind die „offenen Bücherschränke“. Ab und zu vorbeigehen und „aufräumen“ ist auch ein kleiner aber feiener Beitrag, damit diese Orte zum Teilen weiterhin für alle funktionieren. http://www.buergerstiftung-bonn.de/projekte/offene-buecherschraenke/
    Eine Übersicht von Bücherschränken weltweit findet man auf http://www.openbookcase.org

    Allgemeine Infos:
    Ganz „old school“ – nur gedruckt – gibt es die BUZ, die Bonner Umweltzeitung. Auch darin findet man viele weitere Infos zu Nachhaltigkeit und Iniiativen in Bonn
    https://oez-bonn.de/bonner-umweltzeitung-buz/
    Vom Agenda-Büro der Stadt gibt es einen regelmäßigen Agenda 21 Newsletter, den findet man im netz, kann ihn auch per Email abonnieren
    http://www.bonn.de/@agenda-newsletter

    So. Das waren ein paar Ergänzungen. Man merkt: ja, in Bonn gibt es mehr, als man auf den ersten Blick denkt 🙂

    1. Vielen Dank Uli für die umfangreichen und interessanten Ergänzungen! Ja, Bonn hat wirklich so einiges in Sachen Nachhaltigkeit zu bieten.

  2. 1000 Dank, liebe Ronja, für den tollen Überblicksbeitrag und die Sichtbarmachung von lokalen Initiativen, Netzwerken und changemakers! Genau darum geht es auch bei GreenDrinks Bonn. Wir freuen uns sehr, Dich als Special Guest beim nächsten GreenDrinks Meetup am 12. Februar (Bonnum, Paulstr. 5, 53111 Bonn ab 19 Uhr) willkommen zu heißen und mehr über das neue Projekt „Team Energiewende“ zu erfahren. http://www.greendrinks.org/Bonn

    Ergänzend zu Uli möchte ich noch auf die GreenWalker Tours hinweisen (https://bonnfairtraut.wordpress.com) und den Grünen Markt. Dieser ökologische Lifestyle Markt findet am 17. März zum dritten Mal in Bonn in der Fabrik 45 statt. http://www.dergruenemarkt.de

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