Ich, das Plastikmonster

Letzte Woche stand ich in der Küche und kochte eine Lasagne. Suppengrün, Zwiebeln, Knoblauch, Hackfleisch, Weißwein, Gewürze, Lasagneplatten, Käse… Als ich so vor mich hin schnippelte fiel mir auf, dass der Müll schon wieder voll war, trotz der Tatsache, dass ich gerade aus dem Urlaub gekommen war. Wie konnte das nur sein?

Als ich einen genaueren Blick in den schwarzen Eimer warf, fiel mir auf: fast nur Plastikmüll – und das von einem Gericht. Irgendetwas muss sich ändern. Also fasste ich einen Entschluss: mein Neujahrsvorsatz sollte es sein, weniger Plastik zu verbrauchen. Doch wo fange ich da überhaupt an? Was sind die größten Müllmonster?

Dass Plastik ein Problem ist, ist mir nicht neu. Der Kunststoff verrottet nicht einfach oder wird durch Mikroorganismen zersetzt, sondern zerfällt über eine sehr lange Zeit in immer kleinere Teilchen, sogenanntes Mikroplastik. Viele Plastikabfälle landen indirekt im Meer und haben so einen Einfluss auf die Natur, die Tiere und so auch auf uns.

Seit ein paar Jahren kosten Plastiktüten in Geschäften Geld, es wird über ein Verbot von Strohhalmen und Plastikbesteck diskutiert. Mit meinem eigenen Konsum habe ich mich bisher jedoch noch nicht auseinandergesetzt, vielleicht wollte ich das insgeheim auch gar nicht. Doch das soll sich jetzt ändern und deshalb bin ich auf die Suche gegangen.

Bei meiner Recherche bin ich auf ein paar interessante Sachverhalte gestoßen:

  • 35% (der größte Anteil) des Plastiks, das produziert wird, ist für Verpackungen – und das ist wohl auch das, was mir am meisten auffällt.
  • Ein beträchtlicher Teil des Plastikmülls landet in unseren Meeren. Es haben sich sogar schon sogenannte „Plastikstrudel“ durch Strömungen entwickelt. Einer davon befindet sich im Pazifik und hat eine Fläche, die größer ist als viermal Deutschland nebeneinander.
  • Nur ca. 30% des Plastikmülls  wird in Europa wiederverwertet und recycelt. In vielen Ländern bestehen noch keine gut funktionierenden Abfallsysteme, denn die sind teuer. Zudem ist es bei einigen Kunststoffen gar nicht möglich, sie zu recyceln.
  • Deutschland wird für seine hohe Recycling-Quote gelobt – darauf sollte man einen kritischen Blick werfen. Denn wir sind Europameister im Verbrauch: der liegt bei 220,5 kg Verpackungsabfall pro Person, davon 24,9 kg Kunststoffverpackungen (das ist etwa so viel wie ein siebenjähriges Kind wiegt)!
  • Plastik gibt es fast überall: Nicht nur sichtbar als Verpackung und Produkte, sondern auch unsichtbar in unseren Kosmetikartikeln, die wir täglich benutzen. In vielen Duschbädern, Shampoos, Cremes und Peelings findet sich Mikroplastik wieder.

Alles sinnlos?

Als ich mit Freunden über meinen Vorsatz gesprochen habe, wurde mir oft entgegnet: „Das bringt doch eh nichts“ oder „Wir in Deutschland tun doch schon so viel. Was bringt das denn, wenn andere Länder nicht mitziehen?!“ Richtig ist, dass wir das Umweltbewusstsein und die Verhaltensweisen in unserer Gesellschaft nur stärken und ändern können, wenn alle an einem Strang ziehen. Dies kann aber nur funktionieren, wenn jeder damit beginnt, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Oftmals wird das Argument, dass “es eh nichts bringt” als Ausrede genutzt, denn nachhaltiger zu leben würde ja bedeuten, sich einschränken zu müssen.

Stimmt das? Teilweise vielleicht. Jeder kann für sich entscheiden, inwieweit er umweltschonende Verhaltensweisen in seinen Alltag integriert. Und schränkt es wirklich ein, die Gurke ohne Plastikverpackung und die Milch aus der Glasflasche zu kaufen?

Meine Lasagne

Zurück zu meiner Lasagne. Der Plastikmüll, den ich produziert habe: eine Schale & Frischhaltefolie vom Suppengrün, beschichtetes Papier vom eingepackten Hackfleisch, das Kunststoffnetz von Zwiebel und Knoblauch, der beschichtete Milchkarton, die Käseverpackung.

Wäre das auch anders gegangen? Ich habe es ausprobiert und bewusst versucht, ohne Plastik einzukaufen. Mein Ergebnis: zeitintensiv, aber möglich. Man muss wissen, wo man die Produkte kaufen kann. Bei einigen Dingen macht spontanes Einkaufen das schwer, denn man bekommt nicht alles beim Supermarkt um die Ecke.

Mein Plastikverbrauch: gar keiner. Und der Preis? Wider erwarten hat sich der Preis meiner zwei Einkäufe nur geringfügig unterschieden. Das lässt mich als Studentin mit wenig Geld natürlich aufatmen und nimmt mir eine weitere Ausrede, zu den Produkten aus dem ersten Einkauf zu greifen.

Alles gut?

Ich möchte natürlich keine Augenwischerei betreiben. Ich werde nun nicht 100 % plastikfrei leben, so wie es eine Bekannte von mir versucht. Da gebe ich ganz ehrlich zu: das ist mir auf Dauer zu zeitintensiv und nimmt mir Flexibilität. Das heißt nicht, dass alles was ich zuvor geschrieben hab, belanglos ist. Ich habe gelernt, dass der Wochenmarkt vor allem für Obst & Gemüse eine gute Alternative ist und auch regionale Hersteller unterstützt. Produkte, die ich sowieso immer zuhause habe, werde ich zukünftig in den plastiklosen Verpackungen kaufen. Einige Dinge werden jedoch in ihrer Plastikverpackung bleiben, solange die produzierenden Unternehmen nichts an der Verpackung ändern: zum Beispiel Toilettenpapier. Die plastiklose Variante aus Unverpackt-Läden ist um vielfaches teurer und deshalb für mich zur Zeit nicht auf Dauer eine gute Alternative.  

Und nun?

Hier sind ein paar Punkte, auf die auch ich zukünftig mehr achten will. Du auch?

Auf Wegwerfprodukte verzichten und sie durch langlebige Produkte ersetzen. Stoffbeutel statt Plastiktüten, Thermo-Becher statt Einweg-To-Go-Becher, Backmatten statt Backpapier, Brotdosen statt Plastiktütchen, Menstruationstassen statt Tampons, und so weiter.

Nicht ersetzbare Wegwerfprodukte durch abbaubare Alternativen austauschen. Wie wäre es mit einer Zahnbürste aus Holz (erhältlich in Bio-Läden) oder Wattestäbchen mit Papierschaft (erhältlich in den herkömmlichen Drogerien)?

Auf unnötige Verpackungen und die Tüte in der Tüte verzichten. Kauf einfach die plastikfreie Version, geh mit dem Jutebeutel zum Wochenmarkt und mit Behältern zum Fleischer und Käseverkäufer oder probier Unverpackt-Läden aus. Dreifach eingepackte Lebensmittel? Das braucht keiner!

Müll, den man produziert, in die richtige Tonne werfen, denn die richtige Mülltrennung ist die Grundvoraussetzung für das Recycling.

Mehr auf Inhaltsstoffe achten. Du willst wissen, ob Plastik in deinem Duschgel ist? Achte auf die Inhaltsstoffe oder scanne die Produkte mit einer App (z.B. CodeCheck).

Kommuniziere. Sprich mit Menschen aus deinem Umfeld über die Problematik und animiere sie dazu, selbst weniger Plastik zu verbrauchen. Frag bei Restaurants oder Imbissen nach, ob sie auch plastiklos verpacken.

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Mehr zum Thema? Lies hier, wieso man Recycling von zwei Seiten betrachten muss und was das neue Verpackungsgesetz (2019) bedeutet! https://www.faz.net/aktuell/generation-plastik/generation-plastik-wie-gut-recycelt-deutschland-wirklich-15782613.html

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