Mein persönlicher Kohleausstieg – Wie Du der Politik trotzen kannst

Ein Thema wird momentan in den Medien besonders diskutiert – und spätestens nach den Protesten im Hambacher Forst hat sich gezeigt, dass ganz Deutschland sich damit beschäftigt: Der Kohleausstieg.

2038 ist zu spät

Nach hitzigen politischen Debatten steht fest, dass Deutschland einen endgültigen Kohleausstieg bis 2038 erreichen will. Vor allem Lobbyisten und Gewerkschaften versuchen Kohlekraftanlagen so lange wie möglich am Laufen zu halten. Klar, irgendwo ist mir bewusst, dass ein zu schneller Ausstieg teuer und aufwändig ist. Trotzdem bin ich der Meinung, dass 2038 viel zu weit weg ist. Ich würde die umweltschädliche Kohle am liebsten sofort verbannen oder zumindest damit anfangen, ohne auf die Politik zu warten.

Letzte Woche habe ich einen Entschluss gefasst: Muss ich überhaupt bis 2038 mit dem Kohleausstieg warten? Ich will selbst meinen Teil dazu beitragen, dass Kohlekraftwerke ausgeschaltet werden. Begleitet mich bei meinem persönlichen Kohleausstieg.

In der glorreichen Zeit der Industrialisierung war Kohle bedeutungsvoll und versprach eine günstige und effiziente Energieerzeugung. Die zwei wichtigsten Kohlearten sind Braunkohle und Steinkohle. Während das Ende der Steinkohleära in Deutschland eingeläutet ist, ist die Braunkohle bei uns noch hoch im Rennen: Deutschland ist – was die Braunkohleverbrennung angeht – heute noch weltweiter Vorreiter.

Der Klimakiller Kohle

Kohle ist ein fossiler Energieträger und wird hauptsächlich zur Energieerzeugung eingesetzt. Diese Energieerzeugung scheint ganz schön umweltschädlich zu sein – das wollte ich mir genauer anschauen. Vereinfacht ist es so: Kohle wird verbrannt, damit Wasserdampf entsteht. Dieser treibt dann Dampfturbinen zur Stromerzeugung an. Problematisch ist das dadurch freigesetzte Kohlendioxid. Die Kohleverbrennung ist für rund ein Fünftel unserer deutschlandweiten Co2 Emissionen zuständig. Als Vergleich dazu: Kohle verursacht als Energieträger fast 50 Mal so viel CO2 wie Windenergie. Wieso Kohlendioxid so schädlich ist, hat Hans im Artikel „Mit diesen Grundlagen verstehst du den Klimawandel“ erklärt.

Außerdem werden immer noch ganze Landstriche und Dörfer verwüstet, mal ganz zu schweigen durch die Luftverschmutzung, weil Schadstoffe in die Luft gepustet werden. Das aktuellste Beispiel: Auch beim Hambacher Forst war eine Abholzung zum Kohleabbau geplant, doch Umweltaktivisten demonstrierten unter dem Motto „Retten statt Roden“ für die Erhaltung des Waldes – zunächst erfolgreich. Ich finde, das ist ein klares Zeichen des Wandels. Falls ihr euch genauer über die Folgen des Kohleabbaus informieren wollt, dann habe ich hier eine coole Studie von Greenpeace für euch.

Nun bleibt die Frage: Wo stehe ich persönlich eigentlich in Kontakt mit Kohle? Und wie kann ich dem Klimakiller Kohle am besten ein Ende bereiten?

Strom:

Rund 40 Prozent des weltweiten Stroms werden im Moment mithilfe von Kohle erzeugt. Mein Strom auch? Da ich momentan in einer WG wohne, wo Strom & Wasser vom Vermieter geregelt wird, war das gar nicht leicht herauszufinden. Wir beziehen Strom von unseren lokalen Stadtwerken. Ist das die richtige Wahl? Auf der Internetseite ist alles in einem grünen und ökologisch angemuteten Design gestaltet. Ein Trick, um uns Verbraucher von einem grünen Image überzeugen zu wollen?

Meine zwei besten Tipps, um mit der Kohle Schluss zu machen:

  1. 100% Ökostrom: Um der Kohle zu entkommen bringt es nichts, einen Anbieter zu wählen, der zwar Ökostrom anbietet, gleichzeitig aber Kohlekraftwerke betreibt. Ob dein Anbieter die Kohle fördert, kannst du nach ein wenig Suchen auf seiner Webseite herausfinden.
  2. Ist dein Anbieter komplett unabhängig von Kohle? Tochter-Firmen der Großkonzerne RWE, E.ON, EnBW und Vattenfall bieten alle auch grünen Strom an – die Kohle wird durch dein Geld an diese trotzdem gefördert. Unter https://utopia.de/rwe-tochter-firmen-stromanbieter-hambacher-forst-atom-kohle-konzern-105560 kannst du genau nachlesen, welcher Anbieter „echten“ Ökostrom anbietet, z.B. die Bürgerwerke oder EWS. Transparente Ökostromanbieter zeigen, aus welchen Kraftwerken ihr Strom kommt!

Allerdings war es für mich gar nicht so leicht, die Daten über meine Stromherkunft zu bekommen. Während auf der eigenen Website das Wort Kohle nie in die Hand genommen wurde, habe ich auf anderen Websites dann genauere Zahlen gefunden. Mein Anbieter liefert wohl 50% fossile und 32% erneuerbare Energie. Dazu tauchen im Internet noch einige Artikel auf: Mein Stromversorger hat sich beispielsweise für Gas statt Kohle entschieden – denn schon 2010 gab es Proteste, als der Anbieter ein neues Kohlekraftwerk bauen wollte. Dieser Wechsel wurde von sämtlichen Umweltverbunden stark gelobt. Zwar ist Gas etwas umweltschonender als Kohle, aber einen Wechsel zu 100% Erneuerbaren ist viel konsequenter – das werde ich mir definitiv überlegen.

Wärme:

Was ich oftmals vergesse: Kohle wird auch zum Heizen von Wohngebäuden verwendet. Kohlebetriebene Heizungsanlagen sind heutzutage eher selten, Kohleöfen tatsächlich noch mehr verbreitet. Die Verbrennung von Kohle zum Heizen ist genauso umweltschädlich wie bei der Stromproduktion, ganz im Gegenteil zur C02-neutralen Verbrennung von Holz. (Holz verheizt man CO2-neutral, weil nur die Menge an Gas entsteht, die die Pflanze während ihres Wachstums gebunden hat.)

Das erste Mal wurde ich während meines Auslandsstudiums in Dublin damit konfrontiert: Zentralheizungen scheinen grundsätzlich fehl am Platz zu sein und gute Isolation der Häuser gab es dort auch nicht. Aber wie heizen wir Deutschen eigentlich so? Ich heize zwar mit Erdöl (und nicht mit Kohle), doch wirklich umweltfreundlich ist das leider auch nicht.

Immerhin veranlassen steigende Energiepreise für fossile Brennstoffe uns Verbraucher immer mehr über alternative Heizungen nachzudenken. Mithilfe einer energiesparenden Wärmepumpenheizung könnt ihr von der natürlichen Wärme von Luft und Erde profitieren. Klingt super langweilig und spießig, ist aber ein Wundermittel, über das man informiert sein sollte: Eine bessere Wärmedämmung. Das habe ich als Mieter leider eher wenig Einfluss, aber eventuell kann ich davon ja Freunde und Verwandte überzeugen. Außerdem werde ich meinen Vermieter mal dazu ermutigen, über eine bessere Dämmung oder den Austausch der alten Gasheizung nachzudenken. Denn: Jeder von uns kann dadurch wahnsinnig viel Kosten und Energie für die Hauswärme sparen.

Die norwegische Hauptstadt hat dieses Mantra verinnerlicht und wurde 2019 zur „Umwelthauptstadt Europas“ gekürt: Hier gibt es im Stadtteil Vulcan beispielsweise eine lokale Energiezentrale mit Geothermiebrunnen, Gebäude mit Fassaden aus Solarpanelen und zwei Hotels, die Energie aus Kühlräumen und Aufzügen rückgewinnen.

Divestment:

Genau das Gegenteil von Investment ist Divestment: Bei unethischen Aktien, Fonds, Anleihen aussteigen und ein Zeichen setzen. Divestment spielte eine große Rolle beim Ende der südafrikanischen Apartheid, kann das auch für Kohle funktionieren? Denn die Strom- & Kohle-Riesen leben nur durch das Geld von uns, dem Staat und anderen Unternehmen. Wir haben zusammen die Kraft, ihnen den Rückhalt zu entziehen – denn: „Ohne Moos nichts los“! Fast alle Banken investieren in den Klimakiller Kohle und fördern aktiv die Erderwärmung. Auf https://coalexit.org/finance-data sind die weltweit größten Banken und Höhe ihrer Kohleinvestitionen aufgelistet. Da ich bei meiner Ortsbank ein Konto habe, bin ich davon ausgegangen, wenigstens dort von Kohleinvestments verschont zu bleiben. Doch gerade die Verbände von Volksbanken oder Sparkassen investieren in die vormals ortsansässigen Unternehmen aus Kohle- & Rüstungsindustrie. Wenn wir also die großen Kohlekraftwerke wirklich verbannen wollen, sollten wir aufhören den Banken zur Investition Geld zu geben.

Ich habe das Gefühl der Ball kommt so langsam ins Rollen und mehr Menschen empfinden ein Bewusstsein gegenüber der Umwelt. Deswegen sind die Vorzeichen für einen Wechsel so gut. Gute Informationen zu nachhaltigen Banken und Anlageformen findet ihr bei https://www.nachhaltig-investieren.com/. In einer Diskussion hat mir Ende letzten Jahres jemand von einer Bank erzählt, die versucht mit ihrem Produkt genau den Nerv der Zeit zu treffen: Tomorrow heißt das Start-up, was versucht ethisches Banking und digitale Trends zu vereinen. Sie haben nichts zu verstecken und sind transparent – das finde ich super.

Unser Engagement

Was ich am Wichtigsten finde: Selbst aktiv werden, sich informieren und mit Freunden austauschen, um das Thema Kohleausstieg präsenter zu machen. Ich bin Fan von jedem von euch, der sich in egal welcher Form einbringt. Wir können die Politik & die Agenda der Kohleausstiegspläne nicht ändern. Aber wir können auf die Straße gehen, Teil einer Organisation werden oder als AktivistIn für Diskussionsbedarf sorgen. Die Organisation Fossil Free Deutschland verlangt von vielen Städten, Ländern, Universitäten und Kirchen den Verkauf ihrer Aktien von Stromgroßkonzernen, die Kohlekraftwerke betreiben. Wie ihr die Organisation aktiv unterstützen könnt und wo sie aktiv sind, seht ihr hier. Ich werde mich da in Zukunft mal umschauen. Auch Organisationen wie Greenpeace suchen immer Interessierte. Dort findet ihr auch viele Petitionen zum unterschrieben, um dem Klimakiller Kohle ein Ende zu setzen – eure Stimme zählt. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten zu demonstrieren, z.B. beim Sternmarsch „Alle Dörfer bleiben“ am 23.03.2019. Mehr Informationen findet ihr unter https://www.alle-doerfer-bleiben.de/.

Mach Schluss mit dem Klimakiller Kohle

Nach der Rettung des Hambacher Forsts müssen wir dranbleiben und kämpfen. Ich selbst war bei zwei Protesten letztes Jahr dabei und finde es einfach unglaublich, wie viele von euch sich stark machen und was für eine unglaubliche Bewegung entstanden ist. Da die Kohleriesen von unserem Konsum und Investments abhängig sind, haben WIR die Macht: Je weniger Kohlestrom bezogen wird, desto weniger wird auch produziert. Es ist an der Zeit den Politikern zu trotzen und unseren persönlichen Kohleausstieg zu feiern.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.