Energiefasten – Uncooler geht’s nicht, oder?

Nach der närrischen Zeit ist wieder die Fastenzeit angebrochen. Manche versuchen sich an einer Diät, verzichten auf Fleisch oder Alkohol.

Ihr findet das total uncool und oldschool?

Wir früher auch. Jedoch haben wir uns gedacht, dass es eigentlich gar nicht verkehrt ist, allgemein mehr zu verzichten. In einer Welt, in der natürliche Ressourcen überstrapaziert sind und Mutter Erde an ihre Grenzen gebracht wird, sollte es doch cool sein dem unendlichen Konsum eine Absage zu erteilen. Für die Fastenzeit, aber am besten über die 40 Tage hinaus. Es gibt viele Möglichkeiten, Ressourcen-Konsum zu fasten: Statt neuer Kleidung zu kaufen, mal im Second-Hand-Laden zu schauen. Statt der Plastiktüte mal den Jutebeutel nehmen. Das Auto stehen lassen und auf Bus und Bahn umsteigen. Wir haben uns überlegt: Wie wäre es mit Energiefasten? Wir verbrauchen den ganzen Tag permanent Energie, ob beim Schreiben dieses Artikels am PC, beim Zubereiten unseres Mittagessens, beim Föhnen unserer Haare oder beim Heizen unseres Zimmers im Winter.

Auch wenn der Energiekonsum an sich unumgänglich ist, kann man ihn doch auf das Nötigste reduzieren. In einem Selbstversuch wollen wir dir beweisen, dass Energiefasten gar nicht so uncool ist, wie es am Anfang klingt. Was wir herausgefunden haben: Es sind nur wenige einfache Kniffe nötig, die helfen mit unseren Stromfressern Schluss zu machen. Sie lassen sich sofort und ohne großen Mühen im Alltag umsetzen und entlasten Geldbeutel und Klima. Denn: Wer weniger verbraucht, pustet weniger CO2 in die Luft.

Jetzt stellt sich die Frage: Was verbrauche ich persönlich täglich an Strom und wie kann ich das messen? Der jährliche Energieverbrauch lässt sich auf der Stromrechnung ablesen und auf einzelne Tage herunterrechnen. Aber Achtung: Im Winter verbrauchen wir durch Heizung & Co normalerweise mehr als im Sommer. Mit dem Stromzähler (befindet sich meistens im Keller) kannst du einfach den Test machen: Lese den Stand zu einer bestimmten Uhrzeit ab und 24h danach noch einmal. Falls du in einem Mehrpersonenhaushalt lebst, musst du den Verbrauch jetzt nur noch durch Anzahl an Personen im Haushalt teilen.

Den Stromverbrauch für einzelne Geräte kannst du mit dieser Formel leicht selbst berechnen und nachmessen: Watt des Geräts x Laufzeit. Wie viel Watt dein Elektrogerät genau hat, ist in der Betriebsanleitung oder der Artikelbeschreibung nachzulesen. Die Laufzeit kannst du einfach wöchentlich schätzen und aufs Jahr hochrechnen. Um den ganz genauen Stromverbrauch herauszufinden, kannst du auf Strommessgeräte zurückgreifen, die einfach zwischen Steckdose und Gerät eingesetzt werden. So siehst du ganz schnell, was der Auslöser der hohen Stromrechnung ist.

Wir haben ein paar coole Tipps und Tricks hier für euch zusammengefasst, mit denen ihr euren Stromfressern ein Ende bereiten könnt:

In der Küche

  • Energieeffizienz AAA+: Alte Küchengeräte sind oftmals die wahren Stromfresser. Wenn Spülmaschine, Kühlschrank & Co den Geist aufgeben, sollten sie durch energieeffizientere Geräte ersetzt werden. Beim Kauf neuer Geräte ist es wichtig, auf das Energieeffizienzlabel A+++ (absolut sparsam) zu achten. Langfristig tut das der Umwelt und dem Geldbeutel gut. Falls du schon länger drüber nachdenkst, ein Gerät auszutauschen, dann ist jetzt, während des Energiefastens, genau der richtige Zeitpunkt.
  • Herd und Ofen: Beim Kochen ist es energiesparend, genau den passenden Topf zu benutzen – ein zu großer verschwendet unnötig viel Strom. Außerdem kocht es sich zugedeckt viel schneller und sparsamer: Wer mit passendem Deckel kocht, verbraucht 50 Prozent weniger Energie. Wusstest du, dass Umluft effizienter ist als Unter- und Oberhitze? Denn bei Umluft wird die Wärme gleichmäßiger im Backofen verteilt. Es kann auch hilfreich sein ohne Vorheizen zu backen und die Restwärme des Ofens zu nutzen.
  • Kleine Küchenhelferlein: Der Wasserkocher ist speziell für kleine Haushalte (wie meinem Singlehaushalt) beim Kochen nützlich. Man verkürzt die lästige Wartezeit auf das kochende Wasser, wenn man es schnell und energiesparend im Wasserkocher kocht. Um keine unnötige Energie zu verschwenden, ist es am besten genauso viel aufzukochen, wie man auch braucht.
  • Einfach mal enteisen: Die optimale Temperatur von Kühlschrank und Gefriertruhe liegt bei 7 Grad Celsius bzw. -18 Grad Celsius im Eisfach – alles andere treibt den Stromverbrauch unnötig in die Höhe. Mit einer Eisschicht verbraucht die Gefriertruhe 20-30% mehr Strom. Mindestens einmal im Jahr sollte man sie abtauen, damit der Stromverbrauch nicht unnötig in die Höhe getrieben wird – die Fastenzeit ist genau der richtige Anlass.

Bad & Wasser

  •  Endlich wieder Wäsche waschen: Auch hier gilt, wer ein energieeffizientes Gerät hat oder das Energiesparprogramm benutzt, ist klar im Vorteil. 75% des Energieverbrauchs wird allein dafür benötigt, um das Wasser beim Waschen zu erhitzen. Deswegen empfiehlt sich, mit tiefen Temperaturen zu waschen und statt 90° auf 60° oder von 60° auf 40° zu schalten (noch tiefer solltest du allerdings nicht gehen, da Keime ansonsten nicht abgetötet werden können). Sparen kannst du auch, wenn du das gesamte Fassungsvermögen der Waschtrommel benutzt, ohne sie zu überladen. Da ein Wäschetrockner deutlich mehr Energie verbraucht als eine Waschmaschine, empfiehlt es sich die nasse Wäsche vorher gut zu schleudern. Nach meinen Erfahrungen ist es außerdem vollkommen ausreichend, die Wäsche in der Wohnung oder im besten Falle an trockenen Tagen draußen aufzuhängen und komplett auf einen Trockner zu verzichten.
  • Unter der Dusche: Das Sparen von warmem Wasser ist besonders ratsam, da du nicht nur den Wasser-, sondern auch den Stromverbrauch senken kannst. Hier gelten die Klassiker: Wasser ausmachen, wenn man es nicht benutzt oder auf eine sparsamere Duschbrause umrüsten. Jedes mal beim Warmwasserhahn aufdrehen, zieht der Durchlauferhitzer kräftig Strom. Oft muss man wegen längerer Wasserleitungswege einige Zeit warten, bis endlich warmes Wasser aus dem Hahn kommt. Dieser sinnlose Energieverschwendung können wir ein Ende bereiten.
  • Kleingeräte im Bad, wie Rasierer, Fön oder Glätteisen sind bei den Stromfressern nicht außen vor. Allein eine elektrische Zahnbürste kostet im Jahr 9,23 Euro alleine durch den Stand-by-Modus. Es hilft, den Ladevorgang genau abzupassen, damit die Geräte nicht länger als geplant an der Stromleitung hängen.

Kälte & Wärme

Ob im Hochsommer zu warm oder im Winter zu kalt, Klimaanlage und Heizung sind wahre Stromfresser.

  • Heat it up: Laut Umweltbundesamt entfallen 60 Prozent unseres CO2-Ausstoßes auf unsere Heizung. Hier ist besonders die richtige Temperatureinstellung wichtig – schon wenige Grad können einen immensen Unterschied machen. Mit programmierbaren Thermostaten und Thermostatventilen kann man die Temperatur genau an den Raum anpassen und falls gerade mal die Sonne hineinscheint, wird die Temperatur automatisch gedrosselt. Wenn die Rollläden nachts zu sind, können Wärmeverluste durch das Fenster minimiert werden. Falls möglich, sollten Heizkörper nicht durch Möbelstücke oder Vorhänge abgedeckt werden, da sich die erwärmte Luft sonst nicht richtig im Raum verteilen kann.
  • Cool it down! An heißen Sommertagen ist die Klimaanlage FAST unentbehrlich. Leider ist sie ein wahrer Stromfresser, dessen Kosten man mit kleinen Tipps minimieren kann. Hilfreich ist es tagsüber die Rollos und Gardinen etwas runterzumachen, so dass es im Haus kühler bleibt. Abends ist es stattdessen angenehm, ein kühles Lüftchen durch offene Fenster wehen zu lassen und die Temperatur etwas runterzubringen. Der Ventilator als Alternative ist zwar vom Stromverbrauch auch nicht verschont, ist aber eine etwas sparsamere Alternative.
  • Die gute alte Dämmung: Es klingt altmodisch, aber eine Isolationsschicht hilft sowohl die Wärme im Winter als auch die Kälte im Sommer im Haus zu behalten. Bringt man diese z.B. hinter dem Heizkörper an, so wird der direkte Wärmeverlust über die Außenwand gesenkt. Im Baumarkt findet man Dämmmatten in unterschiedlichen Stärken (mit und ohne Aluminiumbeschichtung).

Arbeitszimmer

Computer, Drucker und Co. sind verantwortlich für einen Viertel deines gesamten Verbrauchs! Und ganz vermeiden lässt sich die Nutzung dieser Technik ja nicht aufgrund Arbeit, Schule oder Studium. Jedoch sollen die Tipps euch dabei helfen, zumindest dort zu sparen, wo es geht.

  • Bleib treu! Alte Hardware möglichst lange nutzen. Beispiel: Die Produktion eines Computers benötigt ganze 3000 kWh. Zum Vergleich: ein Singlehaushalt verbraucht durchschnittlich ca. 2300 kWh an Strom pro Jahr. Daher gilt die Devise: solange es nicht kaputt ist, nutze es! Auch die Effizienzversprechen neuerer Geräte machen die energieaufwendige Produktion nicht wett.
  • Lieber Laptop statt Desktop-PC!: Wenn dein alter Rechner wirklich nicht mehr weitermacht und du dir überlegst einen neuen zu kaufen, stelle dir die Frage: Brauche ich wirklich einen Desktop-PC oder reicht auch ein Laptop oder sogar ein kleineres Notebook? Diese sind nämlich viel effizienter. Sie wurden so gebaut, dass der Akku möglichst lange hält, während PCs ja an der Steckdose hängen. (Die Unterschiede merkt man auf der Stromrechnung deutlich: Während die jährlichen Stromkosten für einen Laptop sich auf 3-5€ belaufen, sind die Kosten für einen Desktop-Rechner 10-40€ je nach Ausstattung bei gleicher Nutzungsdauer.)
  • Energiesparoptionen nutzen! Computer, Laptops aber auch Tablets und Smartphones besitzen innerhalb des Systems Einstellungen, mit denen sich flexibel einrichten lässt, nach wie vielen Minuten sich der Bildschirm verdunkeln oder das Gerät in den Ruhezustand soll.
  • Der Klassiker: Einfach mal abschalten! Eigentlich weiß jeder, dass die beste Stromsparmethode immer noch das Abschalten von Geräten ist, aber macht man es wirklich? Sollte man etwas für länger als eine Stunde nicht nutzen, ist es sinnvoll, es komplett auszuschalten, statt es nur in den Ruhemodus zu versetzen.
  • Nur das laufen lassen, was du wirklich brauchst! Im Arbeitszimmer tummeln sich oft viele Geräte wie Drucker, Lautsprecher, WLAN-Router, externe Festplatten etc., aber brauchen tut man sie nicht die ganze Zeit. Sinnvoll ist es, sie nur bei Bedarf einzuschalten und ansonsten den Stecker herauszuziehen. Mehrfachsteckdosenleisten können dir hierbei helfen: Statt alle Steckdosen einzeln herausziehen zu müssen, musst du nur einen Schalter umlegen.

Wohnzimmer

Auch im Wohnzimmer tummeln sich Stromfresser. Der wohl offensichtlichste: Dein Fernseher!

  • Größer ist nicht immer besser! Bei der Anschaffung eines neuen TV-Geräts solltest du dir zunächst Gedanken machen, ob dir auch nicht schon eine kleinere Bildschirmdiagonale vollkommen ausreicht. Vergleicht man nämlich den Verbrauch eines Fernsehers mit dem eines doppelt so großen Geräts, frisst dieses sogar mehr als doppelt so viel Energie.
  • Gönn dem Fernseher doch auch Schlaf, wenn du einnickst. Wahrscheinlich hat es jede*r schon einmal erlebt: Irgendwann überkommt einem die Müdigkeit und man öffnet mitten in der Nacht die Augen, nur um zu sehen, dass das TV-Gerät noch läuft. Das muss jedoch nicht sein. Fast alle Fernsehgeräte haben einen Sleep-Timer, mit dem Du einstellen kannst, nach wie vielen Minuten oder zu welcher Uhrzeit er sich von selbst abschalten soll.
  • Dem stillen Killer Standby-Modus das Handwerk legen: Fernseher ausgeschaltet, Strom gespart. Sollte man meinen, ist aber ein Trugschluss! 10% deiner Stromrechnung gehen auf das Konto von Technik im Standby. Achte daher darauf, dass kein Lämpchen mehr an dem Gerät brennt. Um ganz sicherzugehen: Stecker rausziehen. Auch Mehrfachsteckdosenleisten können dir hierbei behilflich sein. Einige Fakten zu Stand-By findest du hier.
  • LED ist die Lösung! Selbstverständlich solltest du immer nur so viel Licht im Wohnzimmer oder sonst wo in deinem Haushalt eingeschaltet haben, wie du gerade benötigst. Aber wenn du eine Lampe einschalten musst, dann wenigstens eine mit LED-Birne. Sie sind im Vergleich zu Energiesparlampen umweltfreundlicher, da sie kein giftiges Quecksilber enthalten. Zwar sind LEDs mittlerweile Standard, jedoch tauchen die verbotenen Glühbirnen noch hier und dort auf, da viele ihr Licht als angenehmer empfinden. Allerdings gibt es mittlerweile auch LED-Birnen, die ein ähnlich angenehmes Licht liefern. Achtet hierbei auf die Kelvin-Zahl: je niedriger, desto wärmer. Hilfe beim Einkauf findest du hier.

Praktische Apps, die dir beim Energiesparen helfen

  • Behalt deinen Verbrauch im Auge! Mit Energiesparkonto (Desktop-Version) bzw. Energiecheck (iOS/Android) behältst du den Überblick über deinen Stromverbrauch. Ob mit Angaben des Zählerstandes oder den Summen auf deiner Stromrechnung, die Anwendung liefert dir eine Analyse deines persönlichen Verbrauchs und vergleicht diese mit deinen vorigen Werten. Je mehr Zahlen Du angibst, desto genauer werden die Analysen. Erwähnenswert ist der Standby-Check, der überprüft, welche deiner Geräte im Standby-Modus ein Stromfresser ist. Empfehlenswert ist auch der Energieverbrauchs-Analysator (Android).
  • Welches Gerät pumpt deine Stromrechnung auf? Der Energiekosten-Rechner (iOS) kalkuliert, wie viel Strom dein Fernseher, Computer, Drucker etc. verbraucht und was das übersetzt für deinen Geldbeutel bedeutet. Dazu musst du natürlich die Wattzahl des jeweiligen Geräts wissen und deine Stromkosten für eine Kilowattstunde.
  • Zusammen verbraucht man weniger als alleine! Das ist quasi das Motto der App JouleBug (Android/iOS). Die Idee: Viele Tätigkeiten wie Autofahren, Kochen oder Fernsehen verbrauchen Energie. Geht man diesen Aktivitäten jedoch gemeinsam nach, verteilt sich der Verbrauch auf die einzelnen Teilnehmenden. Dies ist deutlich sparsamer, als wenn jede Person die Tätigkeiten getrennt ausübt. Positiver Nebeneffekt: Man lernt nette Leute kennen 😉
  • Lebensverlängerung deines Smartphones! Apps wie Greenify (Android) oder Battery Saver (iOS/Android) vernichten unnötige Hintergrundprozesse oder versetzen gerade nicht benötigte Apps in den Ruhestand und versuchen dein Smartphone-Akku so lange wie möglich am Leben zu erhalten.

Nach dieser langen Sammlung willst du sehen, wie viel du während des Energiefastens wirklich sparen kannst? Dann schau doch mal beim interaktiven Spiel von Spiegel und Co2online vorbei.

Anstatt vom ganzen Einsparpotential erschlagen zu werden, kannst du dir ja einfach ein paar coole Tipps aussuchen, die du während der Fastenzeit verfolgen willst.

Es ist Zeit, um Energie bewusster zu “konsumieren” und darüber nachzudenken. Solche Tipps sind leicht gesagt, aber die Fastenzeit ist doch perfekt geeignet, um einfach die Stand-by funktion auszuschalten, den Kühlschrank wieder zu enteisen und endlich LED Lampen einzusetzen. Setz dir deine eigenen Ziele und teile gerne deine Tipps, Tricks und Erfolge mit uns, damit Energiefasten zum neuen coolen Trend wird. Wir werden euch die nächsten Wochen bei Social Media mitnehmen und berichten, wie uns vom Team Energiewende das Energiefasten so gelingt. Außerdem haben wir ein paar spannende Challenges vorbereitet, mit denen ihr jede Woche den Energieverbrauch einfach senken könnt. Finden könnt ihr die Challenges auf den Social Media Kanälen vom Team Energiewende:

Schnappt euch am besten einen Partner, denn zu zweit macht das Energiefasten doppelt Spaß. Fordert auch eure Freunde und Familie heraus, an den Challenges teilzunehmen und ein bisschen Energie zu fasten. Wir sind gespannt zu hören, was ihr berichtet und freuen uns auf die kommenden Wochen!

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